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Schloss Sommerswalde


Mitten im Schwantener Forst, in einer Seitenstraße der B273, befindet sich ein verträumtes Kleinod besonderer Art. Das Schloss Sommerswalde, über welches es nahezu keine Literatur gibt und das der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Lediglich die Bewohner von Schwante und seiner Umgebung wissen um die Existenz und Geschichte des etwas kurios erscheinenden, aber nicht minder beeindruckenden Anwesens, dessen Gebäude in ihrem Baustil stark an Berliner Bauten wie den Reichstag oder das Rote Rathaus erinnern.
 
Bewusst ließ der damalige Rittergutsbesitzer und Leutnant a.D., Richard Sommer, ein Schloss errichten, dessen architektonische Gestalt dem Reichstag in Berlin ähnelt. Dieses Schloss wurde nach Richard Sommer benannt und von den Architekten Hans Abesser und Jürgen Kröger so erbaut, dass es im Halbkreis zusammen mit anderen Gebäuden verschiedenster Stilrichtungen auf einem parkähnlichen Gelände angeordnet ist. Betritt man das Anwesen, befindet sich das eigentliche Schlossgebäude, der "Reichstag" direkt gegenüber den Eingangstoren. Rechts ist das "Rote Rathaus" und links die "Orientalische Moschee", die zumindest ursprünglich diese Gestalt hatte und auch heute noch etwas orientalisch aussieht.
 
Warum Richard Sommer einen bewussten Vergleich mit den Berliner Gebäuden anstrebte, ist nicht ganz eindeutig. Wenn man sich die Nutzung einiger Gebäude in Sommerswalde ansieht, scheint es eine Provokation oder einfach Ironie zu sein. Das "Rote Rathaus" beispielsweise wurde in Sommerswalde als Pferdestall genutzt. Dorfbewohner vermuteten, dass Richard Sommer dem Kaiser trotzen wollte.
 
Das Hauptgebäude der Sommerswalder Anlage, das Schloss, ist ein weißer lang gestreckter Bau. Ursprünglich wurde es im Stil der Neorenaissance mit einer pompösen Kuppel errichtet, ähnlich wie der Berliner Reichstag. In den 20er Jahren wurde die Kuppel aus bautechnischen Gründen entfernt. Ein Kranz- und Mittelgesims unterteilt das Gebäude klar in Erd- und Obergeschoss. Die einstige Inneneinrichtung der 24 Zimmer des Schlosses erinnerte an den Eklektizismus. Typische Ausprägungen dieser Stilrichtungen sind die barocken Rundungen mit seitlichen Renaissanceelementen an der Decke des Jagdzimmers oder die Wandtäfelungen. Das Mobiliar hatte ein klassizistisches Gepräge. In der Bibliothek, dem Speisesaal, dem Festsaal oder im Teezimmer gibt es Stilrichtungen vom Klassizismus über Barock und Renaissance bis hin zum Rokoko.
 
Links neben dem "Reichstag" befindet sich die "Orientalische Moschee". Ursprünglich wurde dieses Gebäude als Treibhaus (Orangerie) genutzt. Erkennbar ist auch an der Baugeschichte der Faible Richard Sommers für das Morgenland. So wurden für dieses Bauwerk Steine direkt aus dem Orient geliefert. Auf alten Bildern erinnert das Gebäude mit seinen Zwiebeldächern und Säulen an türkische Bauten. Die Zwiebeldächer mussten aus bautechnischen Gründen in den 20er und 30er Jahren entfernt werden.
 
Der Park wurde im barocken Stil ähnlich der englischen Landschaftsparks angelegt. Noch heute ist er mit seinen großen Rasenflächen beeindruckend. Zu den Zeiten Richard Sommers gab es dicht beim Forsthaus auch einen großen Wildpark.
 
Nach Beendigung der Bauarbeiten zog die Familie Sommer 1891 ins Schlossgebäude ein. Nach dem Tod Richard Sommers wurde das Anwesen wegen Familienstreitigkeiten an einen Grundstücksmakler verkauft. 1922 erwarb der Jurist und Industrielle Dr. Erich Lübbert Sommerswalde. Die Familie flüchtete vor der anrückenden Roten Armee und verließ am 23.04.1945 das Schloss. Vier Jahre lang wurde es als russische Kommandantur genutzt, danach war es 40 Jahre im Besitz der DDR-Jugendorganisation FDJ.